Friedemann – At the Zoo

This and all episodes of this podcast are available to study as a lesson on LingQ. Try it here.

My father has this passion for animals and nature and spends a lot of his time visiting zoos. In this podcast I discuss with him the pros and cons of having animals in captivity on display fort the wider public.(Mein Vater hat eine besondere Leidenschaft für Tiere und verbringt einen großen Teil seiner Freizeit mit Zoobesuchen. Hier diskutiere ich mit ihm über das Für und Wider von Zoos.)

Ja, wir wissen ja alle in der Familie, dass du sehr gerne in Zoos gehst.

Ich kenne sehr viele Freunde, die immer sagen, ich gehe nicht so gerne in Zoos.

Weil sie haben immer so das Gefühl, dass wenn sie in Zoos gehen, sehen sie immer so viel traurige Tiere.

Ist das nicht deprimierend in Zoos zu gehen und die ganzen Tiere zu sehen, die eigentlich viel lieber, weiß ich nicht, in der Steppe rum rennen würden, als im kleinen Käfig zu sitzen.

Also ein heutiger Zoolöwe, der muss so viele Generationen zurückrechnen bis er auf den nächsten Vorfahren trifft, der jemals durch eine afrikanische Savanne gestreift ist.

Das gibt’s gar nicht.

Also die meisten Tiere, die man heute im Zoo sieht, die sind natürlich dort geboren und das wo drauf es alles ankommt ist, ob sie im Zoo das finden, was ihre Art zum Leben braucht.

Und zwar zu einem, zu einem richtigen Elefantenleben oder einem richtigen Nashornleben oder einem richtigen Antilopenleben oder nicht.

Natürlich gibt es tierquälersiche Haltungsbedingungen in Zoos, aber dass die afrikanischen Steppentiere da lägen und vom Kilimandscharo träumten, dass kann man eigentlich nicht sagen.

Weil den kennen sie gar nicht.

Gut, das mag sein.

Aber die haben ja ihre genetische Zusammensetzung.

Man sagt ja auch von Menschen immer, dass wir jetzt zwar in einer anderen Welt leben, als vor 10000 Jahren.

Aber von unseren Genen sind wir ja eigentlich auch immer noch dieselben Höhlenmenschen.

Das muss ja für einen Löwen auch gelten oder für andere Tiere im Zoo.

Oder Vögel, die vielleicht lieber fliegen würden, als da sitzen auf einer Stange in einem kleinen Käfig.

Also meine Fragen: Müsste man nicht eigentlich aus Gesichtspunkten, sag ich mal, des Tierschutzes einen Zoo boykottieren?

Also wenn man die, also wenn die Menschen die Welt soweit in einem Natur nahen Zustand belassen hätten, dass die Tiere mit denen wir zusammen in der Arche Noah waren, alle ihre Lebensräume behalten hätten und in ihren Lebensräumen dann auch ihre Art erhalten könnten, dann könnte man über diese Frage vielleicht nachdenken.

Aber dem ist ja nicht so.

Das Problem ist ja, dass wir Menschen den meisten oder sehr vielen Tierarten die Lebensgrundlagen unter den Füßen oder unter den Flossen weggezogen haben und wenn wir daran noch etwas ändern wollen, dann ist zum Beispiel ein wichtiger Punkt, dass man Lebensräume von Tieren sichert und künftigen Tiergenerationen, da wo es möglich ist, eben die Möglichkeit auch erlaubt in Natur nahe Lebensräume zurückzukehren.

Aber noch mal, der Löwe ist ja auch in Afrika eine Enttäuschung.

Also die wenigen Löwen, die ich in Afrika in Freiheit gesehen habe, das konnte ich sehen, weil die tief schlafend unterm Dornbusch gelegen haben und das schon 5 Stunden bevor ich da hin gekommen bin.

Und auch noch 5 Stunden danach, weil sie eben bis zu 23 Stunden am Tag für die 1 Stunde auf die alles ankommt, wenn sie denn auf der Jagd sind, der Ruhe pflegen.

Aber ich dachte bei den Löwen jagen nur die Weibchen?

Nee, nee.

Die Männchen beteiligen sich schon da dran, aber alleine ist ja so, dass die Löwenmänner einen großen Teil ihres Lebens auch alleine leben müssen.

Entweder weil sie noch keine Frauen haben oder weil sie kein weibliches Rudel mehr haben.

Dann müssen sie schon, aber wenn sie Rudelführer sind, also Rudelverteidiger, dann in der Tat machen die Frauen für sie die Arbeit.

Aber wenn’s dann ums Fressen geht dann hat alles zu warten bis der Chef sich die Wampe voll geschlagen hat.

Ja, aber im Zoo kann ich mich viel erinnern an, von Raubkatzen oder auch Bären, die einfach am Gitter hin und her laufen.

Ich glaub, das ist doch einfach ein Symptom dafür, dass sie unglücklich sind.

Oder das sie sich nicht wohl fühlen.

Du meinst die Stereotypenbewegungen in der Tat die gehen uns auf den Wecker und sind und werden auch von den Leuten die für Tiere verantwortlich sind, als Zeichen gesehen, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Und dann muss man, dann muss man an der Vielfalt des Geheges etwas tun.

Und deshalb gibt’s ja auch seit mindestens einer Generation, wenn nicht schon länger, in den Zoos generell die Bewegung weniger Tierarten zu zeigen und diesen Tierarten dafür dann Zoogehege anzubieten, die so vielfältig, so abwechslungsreich eingerichtet sind, dass die natürlichen Bewegungswünsche und Verhaltenswünsche der Tiere eben dort ablaufen können.

Ein Unterschied bleibt im Zoo immer, die Tiere die von Natur aus unter anderem Beute sind, leben im Zoo getrennt von den Beutegreifern.

Das heißt also müssen darauf nicht aufpassen und die Tiere, die davon leben wollen Beute zu machen, kriegen die Beute vom Menschen gebracht.

Aber zum Beispiel Tiere wie Elefanten, die große Strecken zurücklegen oder Geparden, die bei der Jagd schnell rennen, ich meine, man kann doch gar nicht so ein großes Gehege bauen im Zoo, dass die Tiere auf ihre Kosten kommen.

Aber gerade beim Beispiel vom Geparden sich viel einfallen lassen.

Es gibt den Begriff des „Behavior and Richmond“, also ein Gehege so einzurichten, dass…

Mal einen Besucher über Zaun werfen.

Nein, nein.

Aber es wird dann, also zum Beispiel ein Gepardengehege ist dann gut, wenn es so geschnitten ist vom Grundriss her, dass die Rennstrecke für die Tiere besonders lang ist.

Und wenn man dann noch eine Seilbahn in diesem Gehege montiert an die dann das Stück Fleisch dran gehängt wird, zusammen mit einer Zebraattrappe und man dann also einen Motor in Gang setzt und die Tiere dann hinter diesem Stück Fleisch erst einmal eine Zeit lang hinterher rennen müssen, bevor sie dann eine Chance haben es zu erlegen.

Dann ist das nicht Afrika, aber es ist eine Annäherung und schafft eben dem Geparden, dass ist ja wichtig, dem Geparden eben die Möglichkeit dieses ganz Besondere an seiner Natur, nämlich explosionsartig über kurze Strecken sehr schnell laufen zu können.

Das eben auszuleben.

Ja, aber du hast gerade angeführt, dass ein Argument für den Zoo der Arterhalt ist, aber ich würde jetzt alle Laie sagen, also wenn man nur noch die Tiere hat in Zoos, dann ist die Art doch sowieso schon tot praktisch.

Vielleicht noch das eine oder andere Exemplar, was noch lebt, aber die Art als solches ist doch dann schon tot.

Weil der Genpool so klein ist.

Naja, aber das ist ja die Liste der Tiere, die durch das Nadelöhr des Zoos zurückgekehrt sind in natürliche Lebensräume gar nicht mehr so kurz.

Also wenn man jetzt ein so paar prominente Tiere nimmt.

Das einzige echte Wildpferd, was auf der Erde lebt, das ist das hübsche Przewalski-Pferd aus der Wüste…

Polen.

Nee, nee.

Aus der Wüste Gobi im, also im Grenzgebiet der Mongolei und im fernen China, das war de facto ausgestorben bis auf Blut reine Restbestände, die in zoologischen Gärten gehalten worden sind, kontrolliert über ein so genanntes stud book, also ein Zuchtbuch und die Auswilderungs…, die Wiederauswilderungsprogramme für das Przewalski-Pferd nach dem man vorher seine Lebensräume eben gesichert hat, muss klar sein, dass nicht der nächste mongolische Jäger nicht sagt, au fein, und nimmt seine Flinte und knallt eben diese Tiere wieder ab.

Aber ich dachte,…

Das ist eine lange Liste von prominenten Großtieren, die durch das Nadelöhr des Zoos eben überlebt haben.

Aber was sind denn die Mindestanzahl von Exemplaren, die man braucht um so eine Spezies, die fast schon ausgestorben war, dann wieder zu reaktivieren?

Was ich so im Kopf hab, ist es schon gut, wenn, wenn der, wenn die Ausgangspopulation für ein Zuchtprogramm nicht unter 200 Individuen liegt.

Aber beim, Moment, aber beim Przewalski-Pferd waren es deutlich weniger Tiere und bisher ist eben die Gefahr, dass sich da dann entsprechend Degenerationserscheinungen zeigen.

Die kann man eigentlich nicht als gebannt bezeichnen.

Aber bisher zeigen sie sich nicht.

Die Populationen sind vital, die wieder gezüchteten in unserem Bereich und das Urmodell aller Zuchtprogramme ist ja das größte Wildtier, was wir bei uns hier in Europa gehabt haben, der Wisent.

Der mittlerweile ja nicht mehr vom Aussterben bedroht ist und an vielen Stellen in Deutschland eben auch in kleinen Herden in Natur nahen Schutzgebieten, eben Schutzgehegen, gehalten wird.

Das war in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, da, nach dem der eben im polnischen, deutsch-polnischen Grenzgebiet die letzten freien Herden lebten.

Da waren die völlig zusammen geschossen, auch kriegsbedingt.

Und dann hat man die letzten Tiere, die es noch gab durch Initiativen des damaligen Frankfurter Zoodirektors zusammen geführt, ein Zuchtbuch aufgestellt.

Das waren auch deutlich weniger als 200 Ausgangsziele.

Das heißt, man muss an einem Ort dann 200 versammelt haben?

Nein, nein.

Um Himmels Willen!

Gerade nicht an einem Ort.

Wenn an einem Ort die Maul- und Klauenseuche ausbricht und dir die ganze Population wegrafft.

Nee, nee.

Es müssen viele Halter kooperieren.

Das ist das Wichtigste.

Das Material wird quasi dann ausgetauscht.

Der einzelne Zoodirektor, geschweige denn Tierpfleger entscheidet auch nicht mehr welcher Bulle und welche Kuh zusammen kommen, sondern da wird genau auf den Verwandtschaftsgrad geguckt und…

Ja, ja.

Das wird systematisch gemacht.

Maximale Diversität dann.

Hier der, dieses Programm zur Rettung des Wisents, ist sozusagen die Mutter aller Zuchtprogramme.

Wie viel Exemplare gibt es denn, sag ich mal von Tigern?

Man sagt ja, nehmen wir mal an, man hat ein Tier was vom Aussterben bedroht ist, was keiner kennt.

Dann hat das ja nicht so eine Öffentlichkeitswirkung als wenn da so ein Tier, was jeder kennt, was in einem Kinderbuch vorkommt.

Also der Tiger nahe des Aussterbens ist.

Ist der Tiger nahe des Aussterbens?

Ja, sicher.

Bloß der Tiger ist nicht das Ziel der Bemühung, sondern die regionalen Unterarten des Tigers, die völlig verschieden sind.

Also ein dicht bewollter Altaitiger aus Sibirien, ein Sibiertiger ist ein ganz anders Tier als ein schlanker tropischer Sumatratiger und das Ziel gilt der Erhaltung der regionalen Unterarten, die an völlig verschiedene Biotope angepasst sind und es gibt keine Unterart des Tigers heute mehr, die nicht gefährdet wäre.

Naja, also redet man davon, wenn man unter 5000 Exemplare hat oder unter 1000 in freier Wildbahn oder was ist da so die magische Grenze?

Ich vermute mal, man bewertet von allen Dingen die Schnelligkeit des Individuenverlustes.

Das kann man ja so etwa wie ein Land wie Indien natürlich seit der Unabhängigkeit ziemlich genau seine Tigerbestände und wenn in der Dekade so und so schon rapide Rückgänge sind.

In Indien ist ja also ein unglaublicher Bevölkerungsdruck, die durch menschliche Bevölkerung, wird das natürlich immer schwerer die letzten Rückzugsgebiete der Königstiger…

Wie viel Tiger gibt’s denn in Indien noch?

Also die letzte Zahl, die ich mal gehört hab, ist irgendwas von 5000.

Aber 5000 ist nicht viel.

Entscheidend ist ja auch, dass die einzelnen Inselpopulationen in die diese 5000, dass die noch untereinander sich genetisch austauschen können.

Wenn dazwischen noch Autobahnen und Stahlwerke liegen, dann wird das schwierig.

Naja.

Gut, dass war ein interessanter Diskurs hier.

Wollen wir das Band stoppen.

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