Friedemann – German Reunification, Part 1

Study the transcript of this episode as a lesson on LingQ, saving the words and phrases you don’t know to your database. Here it is!

In this podcast my father and I discuss the historic events that led to the fall of the Berlin wall in 1989. (In diesem Beitrag diskutieren ich und mein Vater die Öffnung der Berliner Mauer im November 1989.) Image courtesy of gavinandrewstewart

So, das Band läuft.

Wir sind wieder dabei hier einen neuen Beitrag einzuspielen für die deutsche Sektion für LingQ.

Ich hatte ja vor einiger Zeit einen Monolog eingestellt.

Ich habe mir jetzt heute einen Gesprächspartner dazugeholt, das ist mein Vater.

Ich bin Friedemann.

Vielleicht kannst du dich ja mal kurz vorstellen.

Ja, ich bin Harald Rohr.

Und, ähm, ja.

Wir haben uns eine ganze Liste von Themen überlegt, womit wir anfangen wollen.

Das ist ein Thema das geeignet ist, um einfach beim Lernen der deutschen Sprache auch etwas über Deutschland zu lernen und zwar soll’s um die Wiedervereinigung gehen.

Also ich kann mich noch erinnern, in der Zeit als die Wiedervereinigung passierte, gereist bin, bin ich halt viel darauf angesprochen worden wie das Ereignis war.

Und ich glaub, die ganze Welt hat das damals am Fernsehen mitverfolgt.

Kannst du dich noch erinnern, wo du warst als die Mauer fiel damals im November `89?

Da bin ich Zuhause gewesen, in Herne, im Ruhrgebiet.

Und für mich war das zunächst eine sensationelle, aber nur eine Meldung im Fernsehen.

Und ich habe an dem, für mich war es an dem 9.

November 1989 auch nicht die Meldung Deutschland ist wiedervereinigt, sondern die DDR hat Reisefreiheit zugelassen.

Das war ja der Konflikt, um den es ging, dass die Deutschen in der DDR nur unter großen Schwierigkeiten ihr Land verlassen konnten und wollten das nicht länger akzeptieren.

Und haben ja das ganze Jahr 1989 lang mit verschiedenen Methoden versucht, diese Reisefreiheit für sich zu erstreiten und hat dann ja diesen vielleicht berühmtesten Versprecher der…

… von Schabowski

… der, ja genau, der Politikgeschichte gegeben, als der Herr Schabowski Mitglied im Politbüro, also im obersten Führungsgremium der SED in einer Pressekonferenz in Berlin gesagt hat: Die beabsichtigte Erlaubnis für die Bürger der DDR, wie das damals hieß, jetzt ohne Anlässe von Familienereignissen einfach ins Ausland reisen zu dürfen, das würde ab sofort gelten.

Genau, dann ist er aus dem Publikum gefragt worden, glaub ich war das so, ab wann und dann hat er so ein bisschen gestottert, gestammelt, man merkte, er war nicht informiert und sagte, ja so.

Er hat auch in dem Moment noch mal durch seine Papiere ist er durchgegangen und meinte so ja, ich meine unmittelbar, ab jetzt sofort.

War ein italienischer Journalist, der ihn das gefragt hat und der ist vor kurzem mal interviewt worden, als Mann von weit über 80 Jahren, und da hat er gesagt: Ja, das sei schon durch Zufall natürlich, aber die wichtigste Situation für ihn in seinem Reporterleben gewesen, dass er durch diese Frage diesen Versprecher ab sofort ausgelöst hat und das hatte dann dazu geführt, dass in der Nacht in Berlin, die Leute aus Ostberlin zu den Grenzübergängen gelaufen sind und dort hat lange Zeit die Grenzpolizei nicht gewusst, was sie machen sollte.

Und da haben sie zum Teil auch Leute erst einzeln durchgelassen und dann auch ihren Pass abgestempelt, so dass sie eigentlich auch nicht ohne weiteres auch hätten wieder zurückkommen können.

Die haben einen Stempel auf das Passbild gemacht und das sollte eigentlich bedeuten, dieser Mensch ist ausgebürgert.

Darf also in die DDR nicht zurück.

Das war der Versuch so, die Leute, die das am lautesten das gefordert haben, die los zu werden.

Naja und irgendwann haben dann wahrscheinlich einzelne verantwortliche Offiziere vor Ort gemerkt, dass sie in der Situation waren, entweder lassen sie die Leute gehen oder es entsteht dort eine ganz, ganz schreckliche Situation.

Und so ist das in der Nacht dann passiert, aber die sensationelle Meldung war eben nicht, Deutschland ist wiedervereinigt, sondern in Berlin ist die Mauer offen.

Also ich hab das schon so genommen, also wahr genommen damals, dass die DDR irgendwo aufgehört hat zu existieren.

Na, die DDR, wenn die Mauer ein, das Instrument war mit dem die DDR praktisch die Menschen, auf die sie besonders angewiesen war, also die Fachkräfte im Land gehalten hat, ja nicht nur die Mauer in Berlin, sondern das ganze Grenzregime.

Das war ja so, diese Grenze quer durch ganz Deutschland, die war ja ziemlich einmalig und ich hab beruflich ein bisschen zu tun gehabt mit politischen Kampagnen im Kampf gegen Landminen später und da haben wir immer wieder gesagt, der größte Minengürtel der Welt, der am effizientesten verlegte, der hat bei uns in Deutschland gelegen.

Nämlich an der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und das war eine Arbeit vieler Jahre, diese, diesen Minengürtel an der innerdeutschen Grenze zu beseitigen.

Also das, nach ein paar Tagen kamen dann natürlich auch die Forderungen.

Es genügt uns nicht zu reisen, sondern wir sind nicht nur das Volk.

Das war ja der berühmte Ruf im Herbst 1989 bei der großen Demonstration in der DDR in Leipzig und in vielen anderen Orten.

Wir sind das Volk, dass heißt die Partei muss auf uns hören, sondern der Ruf änderte sich dann.

Da wurde ein einziges Wort geändert und der Ruf hieß dann: Wir sind ein Volk.

Also in den beiden deutschen Staaten die es bis dahin, seit Ende des 2.

Weltkrieges gegeben hatte, doch ein Volk und das war in der Tat das erste Zeichen dafür, dass viele Menschen die Vereinigung gewollt haben und das Zweite, der zweite Satz der vielleicht auch symbolisch war.

Das ganze hatte ja auch eine wirtschaftliche Seite, da geht es, da ging es damals um die D-Mark, die Deutsche Mark der Bundesrepublik und die Politiker, viele Politiker haben gesagt, wir müssen diesen Prozess der Vereinigung schnell betreiben, denn die Leute sagen, kommt nicht die D-Mark zu uns, dann gehen wir zur D-Mark.

Wie groß war eigentlich damals die reale Gefahr, dass da, dass es da zum Blutvergießen kommen würde vor der Maueröffnung?

War das real oder so?

Ich bin kein Analytiker, aber das war sehr real und die Menschen, die beteiligt waren als Organisatoren, z.B.

die in Leipzig, diese berühmte, diese eine berühmte Großdemonstration organisiert haben und da dann diesen Aufruf erlassen haben zur Gewaltfreiheit.

Die hatten immer vor Augen, dass ein paar Monate vorher auf dem Tiananmen-Platz in Peking in China eine, eine ähnliche Volksbewegung mit Waffengewalt niedergeschlagen worden ist.

Das nannte man die chinesische Lösung.

Und vor der chinesischen Lösung haben alle furchtbar Angst gehabt, die viel näher dran waren, wie wir normalen Bürger in Westdeutschland.

Hm, also ist das mit dem Militär damals schon aufgefahren an den verschiedenen Orten?

Natürlich.

Natürlich.

Und vor allen Dingen heute wissen wir, dass die, dass die politischen Meinungsbildungsprozesse im Politbüro der SED, das war das höchste politische Gremium und in den Komandostrukturen der Volksarmee der DDR und noch mal an dritter Stelle in der Botschaft, der, der Sowjetunion in Ostberlin und in Moskau, dass die eben durchaus nicht perfekt koordiniert waren.

Und aus dieser nicht vorhandenen Koordination konnten sich ganz leicht sehr gefährliche Situationen ergeben.

Ich hab vor ein paar Tagen noch in so einem Rückblick gesehen, dass wohl mindestens 48 Stunden lang auch noch nach Öffnung der Mauer die Situation sehr riskant gewesen ist.

Weil erst so nach, nach 2 Tagen die letzten Alarmbefehle im Blick auf den Einsatz von Militär aufgehoben worden sind.

Ich meine, früher war es in der Geschichte immer so, dass irgendwas mit Berlin passiert ist und von Bedeutung hatte und ich meine auch zum potenziellen Krieg der Großmächte führen können, dabei war das zu dem Zeitpunkt ausgeschlossen der realen Gefahr.

Oder gab’s da, weiß man im nachhinein, dass es möglicherweise so ein Ost-Westkonflikt wie zwischen den USA und den Russen halt auch…

Naja, sie sagen…

…möglich gewesen wäre.

Die sagen das selber heute.

Also, die damals mit verantwortlichen Politiker, also wenn damals heute so in Rückblicksendung zu Wort kommen, dann sagen die selber, dass war mordsgefährlich so bald geschossen worden wäre auf irgendwelche Menschenansammlungen in Berlin oder weiß ich wo, wäre ein irrationaler Prozess in Gang gekommen, dessen Ausgang niemand hätte vorhersagen können.

Und natürlich war die Situation gefährlich.

Das jetzt in Prozenten auszudrücken, also neulich habe ich mal einen, ein paar Äußerungen von dem Gorbatschow im Rückblick, also heute, gesprochen gesehen, wo der sagte, das war ganz wichtig, dass sich eben niemand irrational verhalten hat und eine Einzelheit die ja viel berichtet wird ist, dass der Kohl, der damalige deutsche Bundeskanzler, an dem Abend, wo er von Warschau nach Berlin kam, der hatte einen Staatsbesuch in Polen und sagte: Ich muss jetzt nach Berlin.

Und das war ganz schwierig.

Die Polen waren beleidigt und wollten ihn nicht fahren lassen.

Und dann kam er aber und ist dann furchtbar ausgepfiffen worden von den Berlinern vorm Schöneberger Rathaus als er reden wollte, aber unmittelbar vor dieser Rede auf’m Balkon hatte er noch eine Botschaft von Gorbatschow bekommen.

Heute kann man in alten Fernsehaufnahmen sehen, wie sein Referent ihm das zu flüstert.

Ohne zu wissen, was der ihm da zu flüstert.

Und was hat er gesagt?

Und dann hat er gesagt: Leute beruhigen, Leute beruhigen, Leute beruhigen.

Und das hat dann der Kohl auch spontan in seine Rede aufgenommen und hat an dem Tag also mehrfach in Mikrophone gesagt: Leute bleibt nüchtern.

Macht keine Unbesonnenheiten.

Stürmt nicht einfach nach Osten aus lauter Begeisterung über die Mauer weg und so.

Macht also nichts, was irgendeine bewaffnete Person dazu bringen kann jetzt den ersten Schuss abzugeben.

Naja.

Gut, ich denke wir haben jetzt knapp 12 Minuten jetzt hinter uns gebracht.

Ich denke, dass ist auch so ein Thema, wo man noch sicherlich eine Fortsetzung zu nachschieben kann.

Ich denke, wir verabschieden uns jetzt erst einmal mit dem ersten Beitrag.

Ja.

Tschüss.

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