Friedemann – German Reunification, Part 2

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In this podcast my father and I discuss the historic events that led to the fall of the Berlin wall in 1989. (In diesem Beitrag diskutieren ich und mein Vater die Öffnung der Berliner Mauer im November 1989.)

Ok, das Band läuft wieder.

Wir haben uns heute entschlossen noch mal nachzulegen, was die deutsche Wiedervereinigung angeht.

Und ich denke, das ist auch ein Thema über das man stundenlang reden könnte.

Was mir so aufgefallen an sich an meiner Erinnerung, woran ich mich zurück erinnert hab, wie ich das damals erlebt hab, das ich es eigentlich nur im Fernsehen erlebt hab.

Also ich hab einen guten Freund, den Ludger.

Der hat ja in Lübeck studiert und die sind glaub ich in der Nacht als die Mauer fiel, sind die nach Berlin gefahren.

Haben regelrecht auf der Mauer gestanden.

Ja, die Mauer war ja in Teilen, das nannte man glaube ich Panzermauer und das war ein Bauwerk, was oben auf der Krone 2 oder 3 Meter breit war.

Also diese Bilder wo man sieht, ob das alles Balancierkünstler sind, die Tausende, die dort oben im Zentrum von Berlin auf der Mauer standen, die hatten da richtig viel Platz.

Das hatte richtig die Breite eines Weges, die Mauerkrone.

Nicht überall, aber im Zentrum von Berlin eben.

Ja, das hatte ich mich eben auch gefragt.

Weil man stellt sich eine Mauer vor als ein Gebilde auf dem man oben nicht stehen kann, ja.

Wo man vielleicht drauf balancieren kann, aber die schien ja relativ breit…

Nee, nee.

Das war ein Mordsding.

Wobei das, wobei auch die Bauzeit der Mauer wohl sich über Jahre erstreckt hat.

Ich weiß noch als sie gebaut wurde die Mauer, da war ich in Heidelberg, überleg mal, was war denn das für eine Situation?

Studiert habe ich da schon nicht mehr.

Nee, 3 3, nee Moment.

Ich weiß es nicht mehr.

Jedenfalls ich war nicht da.

Und die ersten Fernsehbilder, die man eben sah, dass waren diese, dass war diese bewaffnete Polizei und zusätzlich die so genannten Betriebskampfgruppen, das waren paramilitärische Verbände, die die DDR hatte.

Also Männer, militärisch ausgebildete Männer, die jetzt in den großen Kombinaten arbeiteten als Industriearbeiter und sozusagen Freizeitsoldaten waren.

Die waren da in großer Menge herangefahren und die standen da erstmal als, mit ihren Maschinenpistolen als bewaffnete Absperrung und dann wurden erst Rollen von Stacheldraht ausgerollt.

Und dann begann halt so ein Prozess, der wirklich über lange Zeit gelaufen ist.

Bis am Ende da dieses Bauwerk stand, was dann weltweit „The Wall“ hieß.

Das war dann am Ende eben dieses massive Ding, wo eben auch ein Panzer gegen fahren konnte, ohne dass das umgefallen wäre.

Und naja, und in der Nacht, ich weiß nicht wo ich war als in der Nacht, als die Mauer fiel.

Da bin ich in die Sonne gekommen, das war eine Kneipe in Herne, in Westdeutschland und da hat ein Freund zu mir gesagt: Die Mauer ist offen.

Und auch in den Wochen danach, habe ich das Wesentliche im Fernsehen verfolgt.

Und ich weiß also von meinem Freund Ludger zum Beispiel in Lübeck, da gab es ganz unglaubliche Szenen.

Die haben das ja alles viel hautnaher erlebt.

Da war das natürlich so, dass unheimlich viele Leute aus dem Osten da quasi einfielen ja, und da mussten die, da hatten die vor ihren Supermärkten, mussten so Wächter positionieren, die immer die Leute rein ließen, wenn Leute raus kamen.

Das die Supermärkte nicht überfüllt waren.

Genau wie du den Ludger zitiert hast, die ersten Reaktionen waren eben nicht, die Mauer ist weg, sondern die Mauer ist offen.

Das heißt, die Leute können durch und dann hat’s diese Völkerwanderung, ich hab mal gehört, am ersten vollen Tag der Maueröffnung oder am ersten Wochenende wären das 1,2 Millionen…

Von 17…

…Leute gewesen.

Ja, ja.

Die eben rüber in den Westen sind, aber eben auch alle wieder zurück.

Also einer der Rufe an der Grenze war: Wir kommen wieder!

Wir kommen wieder!

Also genau zu sagen, wir haben ja unsere Wohnung, wir haben ja unsere Arbeit, wir wollen eben nur das Recht zu gucken.

Was ich damals im Fernsehen, genau wie du, im Fernsehen gesehen hab, fand ich zum Teil aber auch ein bisschen, ja hat mich ein bisschen abartig berührt.

Da gab’s ein Begrüßungsgeld, so hieß das, weil die DDR-Bürger kriegten ja keine Westmark.

Weil der Staat ja praktisch pleite war, was die Devisen anging.

Und die kriegten dann ein Begrüßungsgeld von 100 Mark.

Und da müssen also die Bankangestellten unendliche Überstunden gemacht haben, um dieses Geld in die Pässe den Leuten reinzulegen und damit konnten sie dann in Westberlin shoppen gehen.

Und dann haben auch so clevere Supermarktketten dann von Lkws herunter Bananen verteilt.

Die Banane war das Symbol für, für Weltmarktprodukte, die es eben in der DDR nicht gab, weil die hatten keine Devisen.

Und dann weiß ich…

Meine erste Banane, ja.

Susis erste Banane.

Das hat auf mich ganz schnell peinlich gewirkt.

Das ist der Kapitalismus.

Man versucht natürlich aus der Situation Profit zu schlagen.

Naja, oder dann die ersten jungen Männer aus Ostberlin, die sich an Westberliner Pornokinos vorbei geschoben haben.

Und nicht wussten, ob sie hingucken durften.

Ja, aber was ich da zu dem Thema gehört hab, war das Interessante wohl das die, dass die DDR-Bürger wohl auch überhaupt keine falsche Scharm da irgendwie hatten, sondern die relativ klar sagten was sie wollten auch.

Die Geschäftsanbahnung relativ direkt ging.

Was ja vielleicht auch den Leuten, die dort gearbeitet haben auch entgegen kam, ja.

Naja, aber es war eine ganz, ganz heftige Emotion.

Das hab ich so nicht gewusst, nicht vorhergesehen, dass eben Leute ganz offensichtlich wenn Bilder nicht lügen, wenn das stimmt, dass Bilder nicht lügen, dass die Leute ganz, ganz furchtbar auf gewühlt gewesen sind.

Das sie auf einmal über die Brücke rüber konnten an der Bornholmerstrasse oder an der Glienekerbrücke oder wie diese Grenzübergänge, deren Namen wir ja alle kannten, darüber konnten.

Das musste eine heftige Sache gewesen sein.

Und davon hast du dann später, ich bin natürlich dann oft auch beruflich in Berlin gewesen und hatte dann immer ein Schlafquartier im ehemaligen Osten.

Und dann bin ich morgens, das war genau in der Nähe des Überganges Bornholmerstrasse an der berühmten Brücke, da diese Eisenbahnbrücke und bin da immer rüber und dann waren da schon die ersten Gedenkplatten angebracht, ne.

Aber da merkte, aber da spürtest du schon nichts mehr davon.

Aber in der Nacht muss das heftig gewesen sein.

Aber ein ganz schöner Aspekt des Mauerfalls ist ja dann dieser, dieser Bereich der Mauerkunst.

Den vielleicht Leute, die jetzt nicht in Deutschland leben, mit dem können damit erstmal nichts so anfangen.

Aber die Mauer war natürlich auch zugänglicher für Künstler oder Leute die da Bilder drauf malen wollten.

Auf der Westseite.

Ja, aber dahinter auf der Ostseite auch.

Aber solange diese lange, die Trennung da war, die Teilung, konnten die Mauermaler natürlich nur die Westseite der Mauer bemalen.

Obwohl staatsrechtlich gesehen auch die Westseite der Mauer ja schon auf Ostgebiet stand.

Aber sie war auf der Westseite natürlich unbewacht, weil die, die Beamten, die Polizisten oder die Soldaten hätten sich ja an der Mauer lang quetschen müssen, deshalb konnte die von Westen her bemalt werden.

So mit Popart und mit Karikaturen oder diese bunten Lackbilder.

Ich glaub, ein Teil der Mauer ist ja auch bewahrt worden oder steht nach wie vor mit dem Bären drauf.

Ich weiß nicht.

Da haben wahrscheinlich bestimmt eine Menge Leute auch eine Mark oder einen Euro verdient und tun das bis heute mit Teilen der Mauer.

Der Begriff damals hieß Mauerspechte, also Woodpacker.

Also Leute, die sich da hingesetzt haben und aus diesem Stahlbeton kleine Stücke raus gemeißelt haben und du konntest jahrelang, ich weiß nicht ob heute noch, an den Souvenirständen um das Brandenburgertor herum konntest du Mauerstücke kaufen.

Eine Sache, die man immer hört, wenn man in die USA ist, ist die, das eigentlich in Amerika hab ich das so gesehen, dass Reagan die Mauer eingerissen hat.

So, dass sehen die so.

Die sagen, dass seine Politik, sag ich mal, der Konfrontation hat dazu geführt, dass die Mauer gefallen ist.

Er hat ja auch die berühmte Rede damals gehalten.

Ne, wo er da gesagt hat: Mr. Gorbatschow, tear this wall down.

Oder irgendwie so was.

Und das, so sehen die Amerikaner das.

Also in der, die politischen Analysten sagen ein klein bisschen was anderes.

Die sagen, im Prozess der Wiedervereinigung hat nicht mehr der Reagan, der gar nicht mehr im Weißen Haus saß, sondern der Bush Senior wäre neben Gorbatschow von den 4, von den Führern der 4 Siegermächte derjenige gewesen, der eigentlich vom ersten Tag an die Wiedervereinigung im Blick gehabt hätte.

Und dem würde also das Verdienst gebühren, die Mrs. Thatcher mit den Mitterrand in Frankreich irgendwann auf diese Seite gezogen zu haben.

Während der Reagan natürlich steht für die Konfrontationspolitik gegenüber der Sowjetunion, die für die Sowjetunion volkswirtschaftlich sehr teuer gewesen ist.

Weil sie eben das Wettrüsten eingeschlossen hat.

Aber muss man dann vielleicht wirklich nicht ein Teil des Verdienstes am Mauerfall dem Reagan zuschieben?

Von Verdienst kann man wahrscheinlich gar nicht reden, weil es ja kein, weil es ja kein gesteuerter oder kein angestrebter politischer Prozess gewesen ist, sondern…

Du meinst das war nur vorgeschoben?

Wenn er gesagt hat, dass hier, Mr. Gorbatschow reißen sie die Mauer ein.

Nein, ich.

Also Reagan ist ein besonders wichtiger, aber auch nur einer von Hunderten von Spitzenpolitikern der 4 Siegermächte, der in Berlin, von den westlichen Siegermächten, der in Berlin das gesagt hat, was er sagen musste.

Aber er hat’s ja vor der Mauer gesagt.

Also ich glaub die anderen Präsidenten waren da vor irgendwelchen Rathäusern.

Nee.

Dieses Podest, von dem der Reagan da gesprochen hat in der Nähe der Mauer, da haben auch noch andere Spitzenpolitiker davor gestanden.

Da haben sie, das war der Ort, wo sie die Treuebekenntnisse abgelegt haben und das war ja in der Diskussion hinterher, ob man den Deutschen das wirklich zugestehen sollte, konzipieren sollte die Wiedervereinigung.

Da haben viele in England und in Frankreich und so auch in der Sowjetunion gesagt, was wir sozusagen pflichtgemäß an Statements abgegeben haben und welche Realpolitik wir wollten, dass, so dumm kann ja keiner sein, dass eins zu eins zu nehmen.

Nach dem Motto, jetzt setzt uns mit unserem Geschwätz von gestern, könnt ihr uns jetzt nicht unter Druck setzen.

Achso, ja.

Das ist ja interessant, ja.

Ja, aber das, ja.

Ich mein, das ist ja die Frage, wie weit deutsche Politiker.

Also wenn man heute deutsche Politiker, gerade in diesem Jahr, 20 Jahre danach hört, dann sagen sie eigentlich alle, gut, wir haben’s immer irgendwo auf der politischen Agenda gehabt, aber es war kein Ziel, dass wir gezielt im Jahr 1989 nun erreicht hätten, oder so.

Klar.

Ich habe gestern Abend, heute ist der, haben wir den 18.

April, ne?

Ich habe gestern Abend in einer kleinen Stadt in Thüringen mit DDR, also mit Leuten, die ihr ganzes Leben in der DDR verbracht haben, über ein anderes Thema geredet, aber wir kamen auch auf eben die Vereinigung und da haben sie noch mal gesagt, genau vor 20 Jahren, also im Frühjahr 1989, da war’s zwar unruhig, da gab’s viele Debatten innerhalb der DDR-Gesellschaft.

Da gab’s auch diesen berühmten Wahlbetrug bei Kommunalwahlen, aber das war völlig außerhalb jedes Denkens und Fühlens, da sich daraus noch im selben Jahr eine Situation entwickeln würde, die Richtung Wiedervereinigung geht am Ende.

Gut.

Ich denke da haben wir wieder eine ganze Reihe Gedanken ausgetauscht.

Ich denke, wir machen jetzt wieder mal eine Pause.

Tschüss.

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