Friedemann – On Soccer

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Also die Aufnahme läuft.

Ihr könnt euch unterhalten.

Ja, ein Hund lief in die Küche.

Ja, schon etwas sinnvolles.

Ja, aber wieso ist das denn?

Wieso müssen wir ein Testgespräch haben?

Das ist tatsächlich so, du kannst wirklich mit Fußball überhaupt nichts anfangen.

Also da gibt’s kein freudiges Gefühl oder keine Langeweile.

Fußball ist dir einfach egal.

Eine Welt ohne Fußball wäre für dich genauso eine Welt wie mit Fußball.

Och nein.

Ein ganz kleines bisschen kann ich mich schon in kleinen Jungen hineinversetzen, die hinterm Ball her springen.

In sofern glaub ich, ich habe auch, achja.

Ich hab neulich auch mit meinen Enkeln Fußball gespielt und…

Du?

Ja, genau auf dem Spielplatz.

Und ich hab immer daneben getroffen und der Ball ist immer irgendwo hingegangen, wo er nicht sollte.

Und da hab ich gedacht, aha, Fußball ist doch eine hohe Kunst.

Ja.

Also koordiniert mit Treffen und so.

Ja, ja.

Ich habe ein bisschen Respekt und außerdem, und das ist jetzt schon ein ganz gewichtiger Satz, den ich jetzt hier sagen möchte, dem Erfinder des Fußballs gebührt eigentlich der Friedensnobelpreis, denn diese vielen Keilereien, die auf friedliche Weise ausgetragen werden, verhindern ja viele Kriege, oder?

Ja, ein paar hat’s gegeben.

Es gib ja Fußballkriege in Zentralamerika, dass Länderspiele aus dem Ruder gelaufen sind und dann irgendwelche Leute nach der Armee gerufen haben.

Das hat’s gegeben.

Gut, aber das widerlegt nicht meine These, dass Fußball friedensstiftend und kriegsvermeidend ist im Normalfall.

Ja, aber Fußball ist zum Beispiel diese ganze, diese ganze Hooligan-Szene, die ja für die Polizeibehörden überall im Profifußball ein Problem ist.

Die benutzen ja den Fußball um sich also zum Prügeln zu treffen und das Spiel selber interessiert sie überhaupt nicht.

Aber sie hängen sich genau an den Fußball dran.

Und du weißt ja genau hier bei uns in der Gegend im Osten, da ist das ja besonders so, dass Mannschaften, die sportlich gar nicht besonders erfolgreich sind da in Sachsen, Leipzig irgendwas.

Ich hab den Vereinsnamen jetzt gar nicht im Kopf.

Cottbus?

Ja, Cottbus ist ja Bundesliga.

Achso.

Aber 3. und 4.

Liga, also Vereine die sportlich sehr niedrig agieren sind berüchtigt dafür, dass sie also ganz, ganz militante Fanclubs oder Hooliganclubs haben, die eben mit den, mit den Mannschaften reisen und die Polizeibehörden, ja, die haben dann genau die Spielpläne und sagen, bei den Spielen wird’s Ärger geben.

Dann machen die schon 8 Wochen vorher die Einsatzpläne für die Polizisten, die dann da ausgepolstert mit ihrer Schutzkleidung erscheinen.

Ich find das schon ein Phänomen, dass die sich eben an Fußball dranhängen und an keinen anderen Sport.

Auch nicht an, weiß ich nicht was, Rockkonzerte oder so.

Also, ja.

Also nur friedlich, nur friedlich ist das nicht.

Ja, das widerlegt doch nicht meine These, dass das so eine Ersatzhandlung für wirklichen Kampf ist und Blut fließt.

Also Fußball, Fußballhelden sind schon was.

Ich bin ja jetzt 69 Jahre alt und als ich 60 Jahre jünger war, damit die erste Zweileidenschaft haben wir da gehabt nach dem Krieg.

Wir wollten einen eignen Ball, der uns gehörte, hatten nur ganz wenige Kinder im Dorf und ich wollte aus der Serie der Haferflockenpäckchen die vollständige Mannschaft von Preußen Münster.

Da war in jeder Packung Haferflocken, also heute sagt man ja wohl Ceralien, oben ein Fußballspieler drin als Bildchen.

Und ich hab Haferflocken gefressen.

Noch und noch und hab dann auch versucht meine Familienmitglieder zum Haferflockenessen zu bekommen.

Davon bist du so groß und stark geworden.

Und hab mich dann immer geärgert, wenn ich dann den weiß ich was, den, wie heißt der?

Den Rachuber hieß der Spieler.

Den hatte ich schon drei- oder viermal, aber ich wollte endlich Pfiffigelsen in der Tüte haben und der war nicht drin.

Ich kriegte Pfiffigelsen.

Aber da kriegt man getauscht mit den anderen, die alle viermal Pfiffigerelsen hatten, oder?

Aber Pfiffigerelsen war der erste und einzige Nationalspieler von Preußen Münster.

Und ich hab den Verdacht heute, dass sie den in kleinerer Auflage in die Tüten getan haben müssen.

Irgend so was.

Und ich hab nie ein Pfiffigerelsen gekriegt.

Und irgendwann hab ich das dann, hab ich das dann aufgegeben.

Aber ich weiß, dass das ein großer Tag war, ich weiß das Jahr nicht mehr.

Ob das 1950 oder später, als ich, ich weiß auch noch nicht mal von wem.

Ob von einer der Omas oder so, als ich meinen ersten Lederball, also den richtigen genähten Fußball und damals noch der Ausdruck ist ja das runde Leder und damals war das noch so.

Innen die Schweinsblase zum Aufpumpen und außen drum Leder.

Das heißt, wenn das regnete war das Ding so schwer, dass man sich da dran den Fuß verstauchen konnte.

Und das ist ja schon seit Jahrzehnten gibt’s keine Lederbälle mehr.

Einmal gehört, früher gab’s angeblich sogar Untersuchen, zumindest hat der DFB, der Deutsche Fußballbund, die immer angeführt, dass Fußball für Frauen schädlich sei.

Da wurde irgendwie argumentiert, dass Frauen andere Beinformen haben und dass das für die aus physiologischen Gründen nicht zu empfehlen wäre Fußball zu spielen.

Also das muss 30 Jahre her sein.

Also begründen kannst du alles, wenn du willst.

Aber das ging ja so weit, dass bei uns in der Schule, also das nannte man damals Volkschule, also ich weiß nicht ob man das übersetzen würde, People’s School oder irgend so ein Ausdruck.

So hieß das aber damals.

Die Schule für die Kinder einfacherer Leute, auf der ich dann eben auch war.

Da gab’s auf den Zeugnissen für die Jungen Sport und für die Mädchen gab’s aber keinen Sport.

Das hieß weibliche Nadelarbeit.

Weibliche Nadelarbeit.

Das heißt die mussten dann Stricken lernen und Häkeln also alles, was man mit diesen Nadeln machte.

Und das war in der Tat, also ein Mädchen das sich zu leidenschaftlich bewegte, wie man das beim Sport ja tut, das war irgendwie auch nicht schicklich.

Ich glaube das hatte, da war auch letzten Endes wirklich sexistische Vorstellungen.

Aber da war die Wissenschaft schon weiter.

Ich sag mal, die moderne Wissenschaft war doch damals, wusste das doch schon, dass das Schwachsinn ist.

Also ich kann mich nicht erinnern, dass jemals irgendein Mädchen bei den Bolzereien bolzten.

Von den Menschen, die uns jetzt hören und die Deutsch als Muttersprache haben, ein schweres Wort.

Das ist so ein Slangwort für Fußballspielen.

Also von den gebolzt haben da, war nie ein Mädchen dabei.

Hast du jemals als Mädchen…

Nein, nein.

Ich habe gestrickt.

Ich habe gehäkelt, ich habe Kissenhüllen gestickt, aber ich habe nicht Fußball gespielt.

Aber in deiner Klasse Sport, gab’s da nicht sportliche Mädchen?

Damals schon vor 50 Jahren?

Ja, ja. Ich glaub das Ballspiel in der Schule war Völkerball.

Und ich…

Was?

Völkerball das sind 2 Mannschaften und man muss versuchen in der anderen Mannschaft ein Mädchen zu treffen ohne das sie den Ball fangen können.

Ja, genau.

Das ist glaube ich die Regel.

Da wurde immer zack zack abgeschossen und dann war’s vorbei.

Aber das hast du auch nicht besonders geliebt.

Nee, nee.

Nee, also Fußball war auch, ich weiß das wir sind damals auch im Dorf wirklich zu den Spielen des Dorfvereins hingegangen.

Und ich kann mich erinnern, dass einmal dieser Dorfverein, das Dorf heißt Habigsbeck in der Nähe von Münster im Münsterland, die Mannschaft war in einem Jahr mal besonders gut.

Irgendwann in Ende der 40iger, Anfang der 50iger Jahre und spielte mit um den Aufstieg in die nächst höhere Kreisliga.

Und da war bei dem entscheidenden Spiel ging der katholische Pfarrer vorne weg um den Ball zu segnen und dann kam die Feuerwehrkapelle und dann weiß ich noch wer da alles kam.

Da kam richtig das ganze Dorf, zog zum Sportplatz um dieses Spiel auf das es eben ankam, ich weiß nicht wie es ausgegangen ist, keine Ahnung.

Ich weiß nur, dass war ein Riesenereignis für das Dorf und die Spieler haben abends keinen Geldschein gekriegt, sondern Freibier im Gasthaus.

Das ist, das war eben in unserer Kindheit noch völlig anders.

Die heutige Kommerzialisierung des Fußballs, ich glaub, die hätte sich damals niemand vorstellen können.

Na Mama.

Hast du noch ein paar Gedanken zum Thema Fußball?

Ja.

Ja. Eine Sache kann ich noch erzählen.

Ich habe einen Versuch gemacht, mich dem Fußball anzunähern, in der Zeit als ich am allermeisten verliebt war in meinen Mann.

Das war 1966.

Da spielte England und Deutschland um die Fußballweltmeisterschaft.

Ja, ich muss überlegen was es war.

Und wir hatten damals noch kein Fernsehen und die meisten Deutschen oder viele hatten noch kein Fernsehen.

Und dann wurde das Spiel direkt in Kinos übertragen und dann bin ich aus lauter Verliebtheit mit meinem Mann mitgegangen und hab mir das mit angeguckt.

Das heißt, du hast das berühmte Wembleytor gesehen ohne seine Bedeutung zu erkennen.

Ja, so genau war’s.

Ich bin dann wieder raus gegangen.

Und als ich dann verheiratet war, hab ich dann gedacht, ach, dass muss ich nicht haben.

Und hab mich dann nicht weiter mehr für Fußball interessiert.

Ja. Ja, und ich weiß noch das, was das für eine Aufregung in Deutschland war.

Das war richtig eine Aufregung, wo Theologieprofessoren und Politiker und Philosophen sich geäußert haben, als zum ersten Mal deutsche Fußballprofis das Angebot bekamen für viel Geld in italienischen Ligen zu spielen.

Es gab dann 2, 2 Fälle.

Das eine war der berühmte Fall Uwe Seeler…

Er ist nie gegangen, aber er hat das Angebot bekommen.

Er hat das Angebot bekommen, Uwe Seeler, uns’ Uwe, also unser Uwe, aber im Jargon eben uns’ Uwe, der, ich weiß nicht mehr zu welchem Verein, aber war richtig viel Geld.

Und dann hat ein ganz berühmter Theologieprofessor Thieleke hieß der, einen langen Sermon, wie ich finde völlig überflüssig, darüber veröffentlicht wie toll das wäre, dass der Uwe Seeler Deutschland oder Hamburg treu geblieben wäre.

Und der Verräter, natürlich auch nur in Anführungszeichen, wie wir im Deutschen sagen, nicht wirklich ein Verräter.

Der dann als Erster gegangen ist, das war ein Fußballspieler namens Schnellinger.

Der ist dann gegangen und lebt zur Strafe heute immer noch Italien.

Der ist, das war dann der Erste von wahrscheinlich vielen Hunderten mittlerweile, aber das war in der Zeit wo die Frage, ob die Spieler eben Geld annehmen dürfen oder da war das noch eine Frage und die Leute, die 1954 Weltmeister geworden sind.

Also die deutschen Fußballspieler in der Schweiz, wenn man deren Prämienliste sich anguckt, was die gekriegt haben für…

Ein Kühlschrank glaub ich.

…für den Weltmeistertitel, da kommt man aus dem Lachen nicht wieder heraus.

Doch einen Kühlschrank haben sie gekriegt.

Ja, ja. Und irgendwelches Geschirr und natürlich auch ein paar Mark, aber das kriegen die heute für ein Freundschaftsspiel irgendwo.

Ja. Na gut.

Dann haben wir heute gelernt, wenn man sich mit seinen Eltern unterhält erfährt man, dass die Welt früher besser war, dass es früher noch Ehre und Anstand gab.

Darf ich mal fragen, wo das einer von uns gesagt hat?

Also das…

Gut.

Dann bis zum nächsten Mal.

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